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EU-Kommissar für Forschung besucht Aguzzis Labor

Mit neuen Therapiemethoden gegen Creutzfeldt-Jakob
Interview mit Prof. Aguzzi

Literatur
Nature Medicine
April 2001, Vol. 7, Issue 4
 
30.3.2001

Die Prionen bereits am Anfang stoppen

Noch ist unklar, wie viele Menschen sich durch den Konsum von BSE-infiziertem Rindfleisch mit Prionen angesteckt haben, die beim Menschen die neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung auslösen können. Doch vermuten die Forscher, dass eine solche Infektion in einigen Fällen bereits erfolgt ist, die Krankheit aber wegen ihrer langen Inkubationszeit noch nicht ausgebrochen ist. Die Arbeitsgruppe um Adriano Aguzzi hat nun einen vielversprechenden Therapieansatz entwickelt, der die Prionen bereits in der Anfangsphase auf ihrem Weg ins Gehirn stoppen soll.

von Claude Kaufmann


Im Labor der Forschungsgruppe von Professor Aguzzi wird an neuen Methoden für die Therapie von Creutzfeldt-Jakob gearbeitet. (Bild Christoph Schumacher)

Die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit ist eine Infektionskrankheit, bei der bestimmte Eiweisse (Prionen) als Krankheitserreger auftreten. In fortgeschrittenem Stadium zerstören die Prionen das Gehirn vollständig. Doch in der Regel wird das Gehirn nicht direkt infiziert. In der Frühphase der Infektion vermehren sich die Krankheitserreger in Organen des Abwehrsystems wie Lymphknoten, Milz und Mandeln. Die moderne Therapieforschung versucht nun, die Infektion in dieser frühen Phase einzudämmen. Dazu musste geklärt werden, wie die Prionen in die Organe des Abwehrsystems gelangen und sich dort vermehren.

Schlüsselrolle des Komplementsystems
Die Arbeitsgruppe um Adriano Aguzzi (ordentlicher Professor für Neuropathologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Zürich) konnte nun zeigen, dass eine als Komplementsystem bezeichnete Gruppe von rund zwanzig Eiweissen bei diesen Vorgängen massgeblich beteiligt ist. Die Eiweisse des Komplementsystems sind Teil des Immunsystems eines jeden Menschen; sie sind im Blut gelöst und wehren als Hauptaufgabe bakterielle Infektionen ab – das ist ihre gesundheitserhaltende Funktion. Verheerend ist jedoch der Umstand, dass sie bei einer Infektion mit Prionen mit dazu beitragen, dass sich die Prionen in den Organen des Abwehrsystems festsetzen.

Erste Versuche vielversprechend
Die gewonnenen Erkenntnisse eröffnen neue Behandlungsansätze. Durch Modulation des Komplementsystems lässt sich die Invasion der Prionen in die Organe des Abwehrsystems günstig beeinflussen und teilweise ganz verhindern. Der Krankheitsverlauf kann so verzögert oder gar gestoppt werden. Erste Versuche mit transgenen Mäusen, bei denen gewisse Komponenten des Komplementsystems ausgeschaltet wurden, verliefen vielversprechend.

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe um Adriano Aguzzi sind in der jüngsten Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift «Nature Medicine» veröffentlicht worden.

Dr. med. Claude Kaufmann arbeitet beim Dekanat der Medizinische Fakultät der Universität Zürich als Öffentlichkeitsbeauftragter


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