![]() |
|||||||||
|
|
27.4.2002 Dies academicus 2002 Ehrendoktoren
Madyam Srinivasan heute Nachfolger von Adrian Horridge am Centre für Visual Science der Faculty of Advanced Science, Australien National University gehört zuden ersten, die Neuro- und Verhaltensphysiologie, Computerwissenschafen und Robotik zu einer multidisziplinären Forschungsrichtung verbanden und damit die Neuroethologie in den Bereich der Computational Sciences öffneten. Ursprünglich auf den Gebieten Engineering und Electronics ausgebildet, hat er sich nach seiner Promotion visuellen Perzeptionsleistungen bei Insekten zugewandt. Mit einer Vielfalt experimenteller Forschungsansätze, die als einzigartig gelten können, untersucht er die Prinzipien visueller Datenverarbeitung bei Tieren, die mit relativ kleinen Nervensystemen ein reiches Verhaltensrepertoire erzeugen und sich daher bestens eignen, die Lösung von «High-level tasks» durch «Low-level mechanisms» in einem biologischen System zu analysieren. Schon früh wartete Madyam Srinivasan mit bedeutenden Arbeiten auf: mit heute viel zitierten Publikationen, die sich mit den Anpassungen rezeptorischer Felder von Sehzellen und Interneuronen an die räumliche und spektralen Eigenschaften der Umwelt befassen und von Signal/Rauch-Problemen bei der Wahrnehmung visueller Stimuli handeln. Darauf folgte eine Reihe neuroethologischer Studien, die originell zeigen, dass fliegende Insekten ein dreidimensionales «Konzept» ihrer Umwelt erstellen, indem sie Informationen über eigeninduzierte Bildbewegungen (retinale Flussfelder) auswerten. Dazu zählen seine inzwischen klassischen Arbeiten zu Figur/ Grund-Unterscheidungen, zur Distanzmessung durch Auswertung von Bewegungsparallaxen und zur visuellen Steuerung der Landereaktion. Gerade bei letzterer Verhaltensweise konnte Herr Srinivasan ein eindrückliches Beispiel dafür liefern, dass Insekten Entfernungen zu Objekten über die von den Objekten beim fliegenden Tier erzeugen retinalen Bildgeschwindigkeiten messen, ohne komplexe Servomechanismen einsetzten zu müssen. Auch die seit den Zeiten Karl von Frischs viel diskutierte Frage, wie futtersuchende Bienen Entfernungen messen und im Stock anderen Bienen übermitteln, konnte Madyam Srinivasan elegant lösen: Während des Fluges messen die Bienen die zurückgelegte Entfernung, indem sie den optischen Fluss integrieren. Sie besitzen also einen visuell gesteuerten «Kilometerzähler», der nicht von Variationen der Windgeschwindigkeit, des Körpergewichts und des Energieaufwands abhängt. Zudem hat es Herr Srinivasan in den letzen Jahren erfolgreich verstanden, die neuro-ethologisch aufgedeckten Verhaltensstrategien nicht nur in Modell-Simulationen auf ihre Robustheit hin zu prüfen, sondern auch für die Konstruktion entfernungsmessender Geräte sowie autonomer, visuell gesteuerter Roboter ( mit Hilfe für Sehbehinderte) einzusetzen. Die Spannweite seiner Forschungsarbeiten, die von lebenden Insekten zu sehenden Robotern reicht, dürfte damit ihresgleichen suchen. Vielseitig wie seine Forschungsthematik ist auch der Forschungsweg, den Madyam Srinivasan geographisch zurückgelegt hat: Von Indien, wo er in Bangalore am Indian Institute of Science mit hoher Auszeichnung seinen M.Sc. erwarb, führte er ihn an die Yale University (USA), an der er 1977 promovierte, und über Zürich schliesslich nach Australien, wo er seit 1994 an der Research School der Australian National University in Canberra sein interdisziplinäres Forschungslabor leitet, die Welt Downunder jedoch ständig für Gastaufenthalte an englischen, amerikanischen und japanischen Universitäten verlässt. Mit Zürich ist er insofern eng verbunden, als er hier Anfang der 1980er Jahre seine Zeit als Assistenzprofessor verbrachte und in die neuroethologischen Arbeiten mit Bienen eingeführt wurde. Durch seine Wahl zum Assistant Professor tenure track damals ein Novum hat ihm die Mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät die Möglichkeit gegeben, den Grundstein für seine zukünftige Forschungstätigkeit zu legen und in Forschung und Lehre (die er nach zwei Jahren auf Deutsch absolvierte) die Verbindung von Computerwissenschaften und Verhaltens- und Neurobiologie voranzutreiben. Mit der Verleihung des Ehrendoktors an Madyam Srinivasan ehrt die Mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät nicht nur einen ausserordentlich originellen, hochbegabten und disziplinübergreifenden Naturwissenschafter, sondern honoriert auch seine Verdienste für die Neuroethologie in Zürich. Kontaktadresse |
|||||||