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27.4.2002 Dies academicus 2002 Jahrespreise Peter Schwagmeier «Untersuchungen zu Textgeschichte und Entstehung des Ezechielbuchs in masoretischer und griechischer Überlieferung» Peter Schwagmeier geht in dieser Arbeit der Frage nach der ältesten textlich greifbaren Fassung des Buches Ezechiel nach. Gesichtet und ausgewertet werden die hebräische Überlieferung aus Qumran, die ältesten griechischen Handschriften sowie ferner die aramäische und die altlateinische Überlieferung des Ezechielbuches. Vor allem auf dem Hintergrund der den griechischen Texten zugrunde liegenden Übersetzungstechnik sowie spezifischer Differenzen zwischen dem vorliegenden hebräischen (masoretischen) Text und dem griechischen Befund, wie sie sich auch im Zusammenhang der Überlieferung des Jeremiabuches finden, zieht die Untersuchung den Schluss, dass der in Form des masoretisch bezeugten Ezechielbuches vorliegende Text die Überarbeitung eines älteren Buches darstellt, das indirekt wesentlich im altgriechischen Papyrus 967 greifbar ist. Dieses ältere Buch bot einen geringeren Textbestand und in den Kapiteln 3639 eine andere Textabfolge und hat sich somit nicht unerheblich von der jüngeren masoretischen Fassung unterschieden. Demgegenüber verdankt sich der Ezechieltext der masoretischen Tradition in erheblichem Mass der Überarbeitung durch prämasoretische Tradenten. Deren Überarbeitungen haben sich einerseits in einer Fülle von Einzeleinschreibungen niedergeschlagen, die der gegenüber dem älteren Buch deutlich höheren lexematischen Kohärenz des prämasoretischen Textes dienen. In diesem Zusammenhang wurden vor allem mittels gezieltem Aufbau von Stichwortverbindungen thematische Linien ausgezogen und weitergeführt, deren Ansatzpunkte in der Regel im älteren Buch vorgegeben waren. In rezeptionsgeschichtlicher Hinsicht zeigt dieser Befund, dass der Ezechieltext schon früh nicht nur als Sammlung von Prophetenlogien, sondern als Buch mit einem thematischen Sachgefälle gelesen wurde. Andererseits wurde in konzeptioneller Verbindung mit der Einarbeitung der umfangreichsten und qualitativ hervorstechenden Einschreibung 36,2336 die ursprüngliche Textfolge zur jetzt in masoretischer Form vorliegenden umgestellt. Die griechische Fassung des Ezechielbuches in der Septuaginta wiederum stellt im Vergleich mit der altgriechischen und der (prä)masoretischen Fassung einen Mischtext dar, der zwar die jüngere Kapitelfolge, in der Regel aber den älteren Kurztext bewahrt hat. Die aus der Auswertung des handschriftlichen Befundes entwickelte Rekonstruktion wird gestützt durch einen Vergleich exemplarischer, markanter konzeptioneller Differenzen zwischen den Buchfassungen, die im Hintergrund der Umarbeitung des älteren Buches zum masoretisch bezeugten Text stehen. War das ältere Buch eine diasporaorientierte Schrift, die Sammlung und Rückführung des in alle Länder zerstreuten Israel erwartete, so entwirft das masoretische Ezechielbuch demgegenüber ein konzeptionsgeschichtlich jüngeres, geradezu utopisches Bild von der Zukunft Israels, wie es sich etwa in der Erwartung einer wesensmässigen Erneuerung der Israeliten sowie der Rückkehr des historischen David zeigt. Besonders die Umstellung der älteren Textfolge sowie die längere Einschreibung in Kapitel 36 zeigen zudem, dass es dieser Überarbeitung auch um eine gezielte Überbietung der Heilsaussagen des Jeremiabuches ging eine Beobachtung, die darauf schliessen lässt, dass die prämasoretischen Bearbeiter mit Blick auf wohl schon vorliegende Buchfolgen des Corpus Propheticum, d.h. der Prophetenbücher von Jesaja bis Maleachi, gearbeitet haben. Kontaktadresse |
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